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Akut-Vergiftung Pathway

Management akuter Vergiftungen in Deutschland, aufgebaut auf den kanonischen Ressourcen: die regionalen Giftinformationszentren (GIZ) (24/7, für HCP + öffentlich), die DGUV BG-Meldung bei Arbeitsunfällen und die BfArM Antidote-Liste. Diese Seite orientiert — sie ersetzt das GIZ nicht.

Notfallkontakte — 7 Giftinformationszentren (regional, 24/7, HCP + öffentlich)

Deutschland hat KEINE einheitliche nationale Giftnotruf-Nummer — kontaktieren Sie das GIZ Ihres Bundeslandes (föderales System).

GIZ Berlin (Charité)

030 19240

Berlin · Brandenburg

GIZ Bonn

0228 19240

Nordrhein-Westfalen

GGIZ Erfurt

0361 730730

Mecklenburg-Vorpommern · Sachsen · Sachsen-Anhalt · Thüringen

VIZ Freiburg

0761 19240

Baden-Württemberg

GIZ-Nord Göttingen

0551 19240

Bremen · Hamburg · Niedersachsen · Schleswig-Holstein

GIZ Mainz

06131 19240

Rheinland-Pfalz · Hessen · Saarland

Giftnotruf München

089 19240

Bayern

112 bei vitaler Bedrohung — zeitkritisch; nicht auf telefonische Beratung warten, wenn der Patient instabil ist.

Klassifikation der Vergiftung

Vier grobe Kategorien steuern die GIZ-Beratung und die Antidot-/Dekontaminationsentscheidung.

Arzneimittel / Medikamente

Überdosis intentional oder akzidentell — Opioide, Paracetamol, Benzodiazepine, Antidepressiva, Kardiaka.

Chemikalien

Beruflich und Haushalt — Lösungsmittel, Säuren/Laugen, Pestizide, Reinigungsmittel, Gase.

Pflanzen / Pilze

Wildgesammelt oder Zierpflanzen — Knollenblätterpilz (Amanita), Fingerhut, Eibe, Tollkirsche.

Tiere

Insektenstich (Anaphylaxie Wespe/Biene), Kreuzotterbiss (Vipera berus — in DE selten).

Spezifische berufliche toxische Expositionen

Berufsbedingte Vergiftungen erfordern oft ein biologisches Monitoring (BGW) gegen einen Arbeitsplatzgrenzwert (AGW).

Kohlenmonoxid (CO)

→ Symptombasiert + CO-Hb (Carboxyhämoglobin)

Heizkessel, Fahrzeugabgase, Brände, Generatoren.

Blei

→ Blei im Blut (Pb-B) — TRGS 505/903, BGW

Hütten, Batteriebau, Abbrucharbeiten, Sanierung.

Isocyanate

→ ALAT (Metabolite) urinär — BGW

Spritzlackieren, PU-Schaum, MDI/TDI.

Lösungsmittel

→ Individuelle BGW (urinär/Blut)

Toluol, Xylol, n-Hexan, Trichlorethen.

Antidote

Kern-Antidote und Indikationen. Dosierung immer nach GIZ-Beratung oder agentspezifischem Protokoll — siehe die vollständige Antidot-Liste.

Naloxon

Indikation: Opioid-Überdosis

N-Acetylcystein (NAC)

Indikation: Paracetamol-Intoxikation

Hydroxocobalamin

Indikation: Cyanid

Ca-EDTA (Calcium-EDTA)

Indikation: Schwere Bleivergiftung

Vipernantiserum

Indikation: Kreuzotterbiss (Vipera berus) — Wirksamkeit beschränkt

Akut-Management

ABCDE zuerst. Die folgenden Punkte ergänzen die GIZ-Empfehlung für den jeweiligen Stoff, ersetzen sie aber nie.

Dekontamination

  • Haut: Kleidung entfernen, reichlich Wasserspülung; Personal schützen.
  • Auge: sofortige anhaltende Spülung; pH-Kontrolle bei Säuren/Laugen.
  • GI: Aktivkohle innerhalb 1 h (nach GIZ); Darmspülung in ausgewählten Fällen.

Supportive Care

  • Atemwegssicherung, Sauerstoff, Beatmung nach Bedarf.
  • i.v.-Flüssigkeit, Elektrolyt- und Säure-Basen-Ausgleich.
  • Krampfkontrolle, Temperaturmanagement, spezifisches Antidot.

Monitoring + Aufnahmekriterien

  • EKG, Vitalparameter, Paracetamol-/Salicylatspiegel, BGA.
  • Aufnahme bei Symptomatik, verzögert toxischem Stoff oder intentionaler Überdosis.
  • Überwachungsfenster nach GIZ für das jeweilige Toxin.

Arbeitsunfall- und BK-Meldung

Akute Vergiftung = Arbeitsunfall

Bei berufsbedingter akuter Vergiftung → Unfallanzeige zur Berufsgenossenschaft (BG) innerhalb von 3 Tagen (DGUV Vorschrift 1 §13).

Chronische Exposition = BK-Verdacht

Bei chronischer Exposition mit Verdacht auf Berufskrankheit → ärztliche Anzeige (Formular F6000) nach §202 SGB VII.

Die zuständige BG ist branchenspezifisch (z. B. BGW Gesundheitsdienst, BG ETEM, BG BAU …). Siehe die Berufskrankheiten-Liste.

Unter ärztlicher Verantwortung

  • Die Giftinformationszentren sind der kanonische Service für HCP und Öffentlichkeit — diese Seite orientiert und kann sie nicht ersetzen; Management gegen die GIZ-Beratung abgleichen.
  • Einwilligung des Patienten zur toxikologischen Testung einholen, wenn die Situation nicht unmittelbar lebensbedrohlich ist; im Notfall zuerst behandeln.
  • Schweigepflicht (§203 StGB) und gleichzeitige Sicherung bei Suizidversuch — Einwilligungsfähigkeit und Selbstgefährdung beurteilen.
  • Berufsunfall-Dokumentation getrennt von der Patientenakte führen.
  • Von diesem Werkzeug werden keine Patientendaten gespeichert.

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